Prof. Dr. Isabella Heuser

Statement

„Den Weg einzuschlagen, Wirtschaft und Wissenschaft an einen Tisch zu vereinen, offen über neue Erkenntnisse zu sprechen und die Positionen aller Beteiligten zu beleuchten ist vielversprechend. Ob daraus neue Ergebnisse abzuleiten sind, lässt sich erst im Nachhinein erörtern.“

Thema auf der BURNOUT CONFERENCE

„Burnout – Die ‚anerkannte‘ Depression“

Abstract zum Vortrag

Abgrenzung „Burnout“ und Depression „Burnout“ wird im medizinischen Sinne als eine Form der Depression verstanden, die im Rahmen von Leistungsanforderungen, z.B. im Beruf, auftritt und verbunden ist mit einem Gefühl des „Ausgeliefertsein“ oder des „Nicht-mehr-unter-Kontrolle-sein“, „fremdbestimmt“ zu werden. Die psychischen und körperlichen Beschwerden wie ständige Erschöpfbarkeit, Energie- und Kraftverlust, Motivations- und Kreativitätsmangel belasten stark; ein Rückzug aus dem Alltag ist meist die Folge, eine klinisch relevante Depression hat sich entwickelt. Symptome der Depression Depressionen sind die häufigsten seelischen Erkrankungen und gehen mit Beschwerden wie Lustlosigkeit, Ängsten, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, erhöhtem Schmerzempfinden, Schwindel oder Unwohlsein einher. Depressive Patienten haben ein erhöhtes Risiko an einer koronaren Herzkrankheit (KHK) zu leiden, einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu erleben oder daran zu versterben. Die „seelische“ Erkrankung Depression geht somit häufig mit einem reduzierten „körperlichen“ Gesundheitszustand einher.

Ursachen von Depressionen /“Burnout“ Faktoren wie ein allgemein ungesunder Lebensstil mancher Menschen mit zu viel Nikotin und Alkohol, zu wenig Bewegung und Übergewicht taugen nicht für eine erschöpfende Erklärung warum Patienten mit Depression auch insgesamt körperlich kränker sind als solche Menschen, die nie eine Depression erlebt haben. Vielmehr wissen wir heute, dass die Depression und der Burnout als sog. Stress-bezogene Erkrankungen akut zu erheblichen Veränderung der Stoffwechsellage führen: die Stress-Hormon-Achse, die vom Gehirn aus den peripheren Metabolismus steuert, wird aktiviert. Cortisol und Adrenalin werden vermehrt ausgeschüttet, was unter anderem zu einem Blutdruckanstieg, einem beschleunigten Herzschlag und einer verminderten Glukoseverstoffwechselung führt. Gleichzeitig wird eine weitere wichtige und „zentrale“ (vom Gehirn gesteuerte) Hormonachse, die sog. Gonadenachse, in ihrer Aktivität unterdrückt. Das äußert sich durch eine Verminderung der peripheren Geschlechtshormonkonzentrationen, Östrogene und Testosteron, mit der möglichen Folge einer vorschnellen Osteoporose-Entwicklung bei langjährig depressiven Patienten.

Fazit:
Burnout ist die euphemistische Bezeichnung für eine – in der Regel – Arbeitsplatz-getriggerte Depression; der Burnout gehört zu den Stress-bezogenen Störungen. Die Behandlung sollte umfassend und rasch erfolgen, da diese psychische Störung mit erheblicher körperlicher Morbidität einhergehen kann.

Zur Person

Prof. Dr. Isabella Heuser
Direktorin der Klinik und Hochschulambulanz für Psychiatrie und Psychotherapie, Charité - Universitätsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin

Professor Isabella Heuser studierte Psychologie und Humanmedizin in Mainz. Nach ihrer Facharztausbildung und Dissertation an der psychiatrischen Universitätsklinik in Mainz war sie Fogarty-Stipendiatin an der Experimental Therapeutics Branch des Neurologischen Instituts der National Institutes of Health in den USA. Danach war sie als Oberärztin an der Psychiatrischen Universitätsklinik Freiburg, dem Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München und dem Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mainz tätig.

Seit 2001 ist Professor Heuser Lehrstuhlinhaberin und geschäftsführende Direktorin der Klinik und Hochschulambulanz für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité - Universitätsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin.

Sie ist Mitglied der Editorial Boards renommierter psychiatrischer Zeitschriften und zudem in zahlreichen nationalen und internationalen Arbeitsgemeinschaften und Gesellschaften tätig. 1997 erhielt sie den internationalen Anna-Monika-Preis für Depressionsforschung, 2007 den Hildegard-Hampp-Preis für Gerontopsychiatrie. Von 2007 bis 2014 war sie Vorstandsmitglied des Exzellenzclusters „Languages of Emotion“ der Freien Universität Berlin. Von 2008 bis 2011 war sie Präsidentin der Society of Psychoneuroendocrinology (ISPNE). Von 2001 bis 2008 war sie Sprecherin des Graduiertenkollegs „Neuropsychiatrie und Psychologie des Alters“. Seit 2015 ist sie Vorsitzende der Hirnliga e.V. und Mitglied des Fakultätsrates der Charité.

Prof. Dr. Isabella Heuser, 59, erhielt als erste Frau in Deutschland einen Lehrstuhl für Psychiatrie. Sie leitet seit 2001 die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité in Berlin. Die Ärztin und Psychologin hat für die Erforschung stressbezogener Erkrankungen schon verschiedene Auszeichnungen erhalten. Sie ist mit einem Amerikaner verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

Unsere Referenten

Prof. Dr. Isabella Heuser
Prof. Dr.
Isabella Heuser
Prof. Dr. rer. nat. Brigitte M. Kudielka
Prof. Dr. rer. nat.
Brigitte M. Kudielka
Prof. Dr. Martin Reuter
Prof. Dr.
Martin Reuter
Dr. med. Sabine Schonert-Hirz
Dr. med.
Sabine Schonert-Hirz
Thomas Köhler
Thomas Köhler

Konferenz Timeline

  • Tag 1 (3. November 2016) - Entscheider- und Unternehmens Tag

  • Welcome und Übergabe an die Moderatoren
    Opening

    Welcome und Übergabe an die Moderatoren


    3. November 8:45 - 9:00 Uhr
  • Dr. Schonert-Hirz - Teil I
    Conference

    Dr. Schonert-Hirz - Teil I

    Burnout-Prophylaxe: Leistungsfähigkeit erhalten in Zeiten zunehmender Digitalisierung, Praktische Anregungen für alle Unternehmens-Player
    • Einführung und Zusammenfassende Orientierung: 
Stress, Burnout und Gesundheit des Körpers und der Seele
    • Gesetzliche Vorgaben und freiwillige Angebote: Was können Unternehmen tun?
    • Gesunde Führung: Schlüsselfaktor der Burnout-Prophylaxe

    Weiter
    3. November 9:00 - 10:15 Uhr
  • Dr. Schonert-Hirz - Teil II
    Conference

    Dr. Schonert-Hirz - Teil II

    Burnout-Prophylaxe: Leistungsfähigkeit erhalten in Zeiten zunehmender Digitalisierung, Praktische Anregungen für alle Unternehmens-Player
    • Digitaler Stress: Newcomer mit Doppelgesicht
    • Strukturierte Diskussion, Fragen, Vorschläge, Anregungen

    Weiter
    3. November 11:15 - 12:45 Uhr
  • Prof. Dr. rer. nat. Brigitte M. Kudielka
    Conference

    Prof. Dr. rer. nat. Brigitte M. Kudielka

    Chronischer Stress am Arbeitsplatz und Burnout - Eine biopsycholgische Perspektive
    "... In der Tat findet sich Burnout nicht als offizielle klinische Diagnose in den aktuellen Klassifikationssystemen, in der derzeitigen medizinischen Praxis wird es jedoch regelmäßig „diagnostiziert. […] Wir interessieren uns für die psychologischen und biologischen Folgen von chronischem Stress am Arbeitsplatz. …“
    Weiter
    3. November 14:00 - 15:00 Uhr
  • Prof. Dr. Martin Reuter
    Conference

    Prof. Dr. Martin Reuter

    Auf der Suche nach den Ursachen für Burnout: Die Rolle der Gene
    "Gibt es neben Stress am Arbeitsplatz andere Faktoren, die in der Person selbst, der Umwelt und dem Arbeitsplatz begründet sind, oder gibt es sogar so etwas wie eine biologische Disposition? […] Prof. Reuter und sein Team untersuchen seit über drei Jahren die genetischen und epigenetischen Determinanten des Burnout. In einem bundesweiten Forschungsprojekt …“
    Weiter
    3. November 15:00 - 16:00 Uhr
  • Podiumsdiskussion
    Discussion

    Podiumsdiskussion

    mit Prof. Dr. rer. nat. Brigitte M. Kudielka und Prof. Dr. Martin Reuter, inklusive interaktivem Q & A aus dem Auditorium. Thema: „Gibt es einen Burnout überhaupt, und was bedeutet das für Unternehmen?“
    3. November 16:30 - 17:30 Uhr
  • Tag 2 (4. November 2016) - Mediziner-, Apotheker- und Wissenschafts Tag

  • Welcome und Übergabe an die Moderatoren
    Opening

    Welcome und Übergabe an die Moderatoren


    4. November 8:45 - 9:00 Uhr
  • Thomas Köhler
    Conference

    Thomas Köhler

    „Digitaler Burnout“, wie riskant ist der ständige Einfluss der modernen Medien – Welche Risiken birgt das Thema Selbstdiagnose und –medikation.
    Weiter
    4. November 9:00 - 10:15 Uhr
  • Prof. Dr. Martin Reuter
    Conference

    Prof. Dr. Martin Reuter

    Auf der Suche nach den Ursachen für Burnout: Die Rolle der Gene
    "Gibt es neben Stress am Arbeitsplatz andere Faktoren, die in der Person selbst, der Umwelt und dem Arbeitsplatz begründet sind, oder gibt es sogar so etwas wie eine biologische Disposition? […] Prof. Reuter und sein Team untersuchen seit über drei Jahren die genetischen und epigenetischen Determinanten des Burnout. In einem bundesweiten Forschungsprojekt …“
    Weiter
    4. November 11:15 - 12:30 Uhr
  • Prof. Dr. Isabella Heuser - Teil I
    Conference

    Prof. Dr. Isabella Heuser - Teil I

    „Burnout – Die ‚anerkannte‘ Depression“
    “... Cortisol und Adrenalin werden vermehrt ausgeschüttet, was unter anderem zu einem Blutdruckanstieg, einem beschleunigten Herzschlag und einer verminderten Glukoseverstoffwechselung führt. Gleichzeitig wird eine weitere wichtige und „zentrale“ (vom Gehirn gesteuerte) Hormonachse, die sog. Gonadenachse, in ihrer Aktivität unterdrückt. Das äußert sich durch eine Verminderung der peripheren Geschlechtshormonkonzentrationen, Östrogene und Testosteron, mit der möglichen Folge einer vorschnellen Osteoporose-Entwicklung bei langjährig depressiven Patienten. ...“

    Weiter
    4. November 14:00 - 15:00 Uhr
  • Prof. Dr. Isabella Heuser - Teil II
    Conference

    Prof. Dr. Isabella Heuser - Teil II

    „Burnout – Die ‚anerkannte‘ Depression“
    “... Burnout ist die euphemistische Bezeichnung für eine – in der Regel – Arbeitsplatz-getriggerte Depression; der Burnout gehört zu den Stress-bezogenen Störungen. Die Behandlung sollte umfassend und rasch erfolgen, da diese psychische Störung mit erheblicher körperlicher Morbidität einhergehen kann.“

    Weiter
    4. November 15:30 - 16:30 Uhr
  • Podiumsdiskussion
    Conference

    Podiumsdiskussion

    mit Prof. Dr. Isabella Heuser und Prof. Dr. Martin Reuter, inklusive interaktivem Q & A aus dem Auditorium.
    Thema: "Gibt es einen klassischen Burnout, und wenn, wie lässt sich dieser von der Depression unterscheiden?“
    4. November 16:30 - 17:30 Uhr